Grußworte zur Bundesfachtagung 2018

Dr. Franziska Giffey Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Dr. Franziska Giffey Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzliche Grüße zur 52. Bundesfachtagung „Zulassen und Widerstehen. Heilpädagogisch handeln durch Dialog – Bindung – Beziehung“.

Heilpädagoginnen und Heilpädagogen kümmern sich als professionelle Fachkräfte um Menschen. Dialog, Bindung und Beziehung beschreiben die Intensität und die Gegenseitigkeit dieses Kümmerns, Zulassen und Widerstehen die Dynamik und Spannung, die diese besondere Beziehung prägen. Die Heilpädagogik ist ein verantwortungsvoller Beruf, ihre Fachkräfte sind Expertinnen und Experten auf dem Gebiet des Beratens und Unterstützens von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen. Darüber hinaus sind Sie auch für die Angehörigen wichtig. Was Sie leisten, verdient Anerkennung.

5,7 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in sozialen Berufen, in Beratung und Unterstützung, Erziehung und Pflege. Ich will dazu beitragen, diese Berufe aufzuwerten: mit besseren Bedingungen in der Ausbildung, besseren Arbeitsbedingungen und einer besseren Bezahlung. Ich setze mich mit ganzer Kraft dafür ein, dass die Fachkräfte in den sozialen Berufen mehr Anerkennung erfahren. Wir kümmern uns um die Kümmerer. Denn was wäre unser Land ohne Sie, die sich um andere Menschen kümmern?

Mit dem Berufs- und Fachverband Heilpädagogik haben Sie einen starken Unterstützer an Ihrer Seite. Ich wünsche Ihnen eine interessante Veranstaltung im November 2018, einen guten Austausch und viel Erfolg bei Ihrer weiteren Arbeit!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Franziska Giffey
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

 

 

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Motto Ihrer Bundesfachtagung zu lesen, hat mich gefreut: „Zulassen und Widerstehen“. Am Anfang steht das Wahrnehmen, das Geschehenlassen, das Empfangen. Anschließend folgt – umso entschiedener – das Widerstehen, das Widersprechen, das Eintreten für
Andere auch gegen Widerstände. Das Zulassen wird oft übersprungen. Dabei ist es so grundlegend: Nur wenn wir uns sagen lassen „Du bist als Mensch ganz angenommen!“, werden wir auch das Schwierige annehmen und daraus Widerstandskraft entwickeln können. Als Heilpädagoginnen und Heilpädagogen eröffnen Sie durch Ihre Worte und Taten Ihrem Gegenüber konkrete Erfahrungen, als Menschen angenommen zu sein und das Schwierige im eigenen Leben zuzulassen. Das ist das Wertvollste, was wir uns als Menschen gegenseitig geben können. Und wer Menschen annimmt, wird sich selbst der eigenen Annahme bewusst. Das ist das Geschenk im Vollzug des Zulassens und Annehmens.

Die Erfahrung, angenommen zu sein, macht stark zum Widerstand: Widerstand gegen gesellschaftliche Positionen, nach denen benachteiligten Menschen wichtige Voraussetzungen für die gesellschaftliche Teilhabe vorenthalten bleiben sollen. Widerstand gegen politische Strategien, nach denen Inklusion als eine bloße Idee abgetan wird, ohne dass konkrete Entscheidungen auf den Weg gebracht werden. Widerstand auch gegen die eigene Resignation, wenn sich die Dinge nicht so entwickeln, wie es möglich wäre und wie man es sich wünscht.

Widerstand aus der Erfahrung des Angenommenseins und Zulassens heraus führt zu dem, was der Untertitel Ihrer Bundesfachtagung benennt: Dialog – Beziehung – Bindung. In den Dialog gehen: Den anderen Menschen sehen, nach seinen oder ihren Erwartungen, Bedürfnissen und Zielen fragen, zugleich auch im professionellen heilpädagogischen Handeln als Mensch vorkommen, mit eigenen Bedürfnissen und Zielen. Beziehungen eingehen: ein Zeichen setzen gegen ein beziehungsloses Nebeneinanderherleben, das vielleicht nur durch Informationsaustausch und gelegentliche Kontakte geprägt ist. Bindungen entstehen lassen, verantwortlich, verlässlich, in aller Freiheit für beide Seiten.

Ihr Tagungsmotto beschreibt eine Vision einer besseren Welt, die wirklich werden soll. Wir als evangelische Kirche und Diakonie teilen diese Vision. Wir beteiligen uns tatkräftig, widerständig und konstruktiv daran, dass diese Vision Wirklichkeit wird, auch wenn wir immer hinter dem zurückbleiben, was möglich wäre. Dankbar sehen wir, wie viele andere Akteure auf dem Feld der heilpädagogischen Arbeit tätig sind. Mit vielen arbeiten wir gerne und erfolgreich zusammen. Visionen brauchen zu ihrer Umsetzung Ideen, den fachlichen Austausch und auch die Erfahrung, gemeinsam politische Akzente setzen zu können. Alles dies soll im Rahmen Ihrer Bundestagung Raum haben. Ich wünsche Ihnen inspirierende Fachdiskurse, lebendige Begegnungen, Erfolg in der politischen Arbeit und Gottes Segen!

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland