Grußwort zur Onlinebildungsreise 2021

von Dr. Irme Stetter-Karp,
Präsidentin des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V.

Mit dem Motto Ihrer diesjährigen Online Bildungsreise „Verletzlichkeit anerkennen – Beziehung zulassen. Heilpädagogik in Resonanz“ greifen Sie ein tiefes menschliches Bedürfnis auf. Seit nun fast zwei Jahren ist die Covid 19-Pandemie unsere ständige Begleiterin. Sie hat uns unsere eigene und auch die gesellschaftliche Verletzlichkeit deutlich vor Augen geführt. Abstandsregeln, Kontaktreduzierungen oder Quarantäneauflagen haben unsere Beziehungen grundlegend verändert. Nicht nur im privaten Bereich, sondern vor allem auch im professionellen Umfeld gab und gibt es vielerorts herausfordernde Situationen: Denn Menschen mit Behinderungen mussten und müssen im besonderen Maße geschützt werden. Gleichzeitig sind sie in besonderer Weise auf den persönlichen Kontakt angewiesen. Sie als Heilpädagoginnen und -pädagogen haben sich diesen Herausforderungen gestellt und sind trotz aller Widrigkeiten nicht müde geworden für die Menschen da zu sein. Dafür gebührt Ihnen viel Dank und Respekt!

Die Pandemie hat nochmals eindrücklich gezeigt, wie wichtig Sie – die ‚Talentsucher bei Menschen, deren Begabungen[HBM1] ‘ sich nicht immer auf den ersten Blick offenbart – für unsere Gesellschaft sind. Unsere aller Aufgabe ist es, diese Aufmerksamkeit weiterhin positiv zu nutzen. Für eine gute Betreuung brauchen wir ausreichend und vor allem gut qualifiziertes Fachpersonal, für das auch Sie als Berufs- und Fachverband Heilpädagogik e.V. in herausragender Weise stehen.  Wir als Deutscher Verein für öffentlichen und private Fürsorge e.V. weisen unermüdlich in unserer Arbeit auf diese Notwendigkeit hin. Dies ist umso dringender angesichts der anstehenden Aufgaben. Nach Inkrafttreten des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes wird es unser aller Aufgabe sein die Umsetzung der verschiedenen Regelungsbereiche eng zu begleiten. Vor dem Hintergrund, dass für die dritte Stufe der „inklusiven Lösung“ noch ein Bundesgesetz bis zum 1.1.2027 verkündet sein muss, in dem die nähere Ausgestaltung der Zusammenführung geregelt wird, sollte aus unserer Sicht möglichst zügig ein partizipativer Beteiligungsprozess mit transparenten Austausch- und Diskussionsmöglichkeiten beginnen. Ich freue mich, Sie als Heilpädagoginnen und -pädagogen in diesem Prozess laut zu hören. Entscheidend ist, dass bei der Zusammenlegung der Leistungssysteme keine Leistungslücken entstehen und die bestehenden Rechte und Leistungen der jungen Menschen gesichert bleiben.

Die Erfahrungen bei der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes haben gezeigt, wie wichtig Partizipation, Diskussion und ein intensiver Austausch sind. Sie sind unerlässlich auf dem Weg zur Inklusion. Gerne verweise ich auf unser Projekt „Umsetzungsbegleitung Bundsteilhabegesetz“. Die Projektwebseiten www.umsetzungsbegleitung-bthg.de wachsen stetig mit wichtigen und hilfreichen Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten. Hier ist auch Ihre Expertise gern gesehen!

An dieser Stelle möchte ich dem Berufs- und Fachverband Heilpädagogik e.V. für sein langjähriges und stets kompetentes Engagement in unseren Fachgremien und auch darüber hinaus danken.

Für Ihre Online Bildungsreise, mit der Sie den Menschen in den Mittelpunkt stellen, wünsche ich Ihnen anregende Diskussionen, viel Inspiration und ein gutes Gelingen!

Ihre

Dr. Irme Stetter-Karp

Präsidentin des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V.


 [HBM1]Aus: Fachlexikon der Sozialen Arbeit, 8. Auflage, S. 401