Grußwort zur Bundesfachtagung 2017

Ulla Schmidt

Ulla Schmidt, MdB und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Bundesvorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V.

Liebe Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, liebe Gäste,

ich freue mich, dass ich Ihnen – besonders als ehemalige Kollegin – viel Erfolg, spannende Diskussionen und gute Ergebnisse für Ihre Fachtagung wünschen darf.

Sie haben ihr den Titel „Couragiert und professionell für Teilhabe und Entwicklung – Heilpädagogik als politischer Auftrag“ gegeben. In diesem Motto steckt ein hoher Anspruch. Ich finde, er passt ganz hervorragend in das Jahr Eins des Bundesteilhabegesetzes.

Als Sonderschulpädagogin habe ich vor vielen Jahren in Aachen meine ersten positiven Erfahrungen gemacht, wie etwa inklusives Lernen funktionieren kann. In einer Schule für lernbehinderte Kinder konnte ich sehen, welches Potenzial jedes Kind entwickeln kann, wenn man ihm das gibt, was es braucht, um das Beste aus seinem Leben zu machen.

Menschen jeden Alters nach ihrem persönlichen Bedarf zu begleiten, zu fördern und ihnen Brücken in die Gesellschaft zu bauen, ist eines der wichtigsten und auch schönsten Handlungsfelder Ihres Berufsstandes. Ohne Sie ist eine inklusive Gesellschaft nicht denkbar.

Diese Begleitung fängt bei jungen Menschen an – sie in der ganzen Vielfalt ihrer Herkunft, ihrer Beeinträchtigung, aber auch ihrer Talente zu sehen und zu unterstützen. Brauchen wir dafür Schubladen? Eine Sortierung hilft hier nicht, sondern schadet. Daher sage ich als Bundesvorsitzende der Lebenshilfe: Eine Unterscheidung nach Behinderungsformen ist nicht das Richtige in einer heterogenen Gesellschaft. Deshalb treten wir schon lange für die „Große Lösung“ beim Sozialgesetzbuch VIII ein; für die Einbeziehung aller Heranwachsenden mit Behinderung in die Kinder- und Jugendhilfe.

Wir wissen, dass die Zusammenführung der Eingliederungshilfe vor Ort eine große Herausforderung ist: Denn dies bedeutet, die geteilte Trägerschaft aufzuheben – für Kinder und Jugendliche mit seelischer Behinderung beim Jugendamt und die für Heranwachsende mit geistiger oder körperlicher Behinderung beim Sozialhilfeträger. Das zu ändern, bedeutet einen grundlegenden Systemwechsel, der eine umfassende Qualifizierung der Beteiligten aus der Kinder- und Jugendhilfe erfordert.

Wenn Sie Ihrer täglichen Arbeit nachgehen, ist Ihnen vermutlich nicht in jedem Moment bewusst, wie wichtig die politische Dimension der Heilpädagogik ist und wie hoch Ihre Bedeutung für die Schaffung eines inklusiven Gemeinwesens. Dass Sie sich als Berufs- und Fachverband dafür einsetzen und darüber in den nächsten Tagen austauschen, ist ein wichtiger Schritt.

Ich weiß auch: Viele Fachleute haben sich vom Bundesteilhabegesetz mehr versprochen. Es ist in manchen Teilen hinter dem zurückgeblieben, was wir wollten. Aber ich will Ihnen und uns auch Mut machen. Viele Kollegen im Parlament haben mir versprochen, dass sie sich die Umsetzung und die Auswirkungen genau ansehen werden.

Deshalb sollten wir jetzt die Chancen nutzen, die es bietet. Wir werden uns weiter einmischen, das kann ich Ihnen versprechen. Verbesserungen für Menschen, auch mit hohem Unterstützungsbedarf, zu erreichen, ist ein Prozess. Ich wünsche Ihnen für die nächsten drei Tage, dass Sie damit gut vorankommen.

 

Ulla Schmidt, MdB und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages
Bundesvorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V.